Ortsfeuerwehren Seelze, Letter und Lehrte nehmen am praktischen Ausbildungsdienst zum Thema Technische Hilfeleistung auf Bahnanlagen teil

Ortsfeuerwehren Seelze, Letter und Lehrte nehmen am praktischen Ausbildungsdienst zum Thema Technische Hilfeleistung auf Bahnanlagen teil Ortsfeuerwehr Seelze

Am Abend des 27.07.2026 beteiligten sich rund 40 Einsatzkräfte an einem gemeinsamen Übungsabend auf dem Rangierbahnhof Seelze. Im Fokus dieser praktischen Ausbildung, welche vier verschiedene Ausbildungsstationen umfasste, stand die Hilfeleistung und Menschenrettung im Gleisbereich.

Rund 1 1/2 Wochen zuvor fand unter dem Oberbegriff Hilfeleistung im Gleisbereich der DB AG ein zweistündiger Theorie-Unterricht statt, worin unter anderem die Gefahren aus dem Bahnbetrieb, das Verhalten im Gleisbereich, die Gefahren aus elektrischer Spannung und Oberleitung, das Notfallmanagement der DB AG und die örtlichen Besonderheiten des Rangierbahnhofs Seelze unterrichtet wurden.

Die praktische Ausbildung auf dem Rangierbahnhof Seelze umfasste vier unterschiedliche Ausbildungsstationen:

An einer Station wurden verschiedene Methoden und unterschiedliche Einsatzmittel zur Menschenrettung unter Schienenfahrzeugen trainiert. Unter einem Triebfahrzeug befand sich hierzu eine Puppe, welche das Gewicht eines erwachsenen Menschen aufweist. Das zuvor erlangte Wissen aus dem theoretischen Ausbildungsdienst im Hinblick auf UVV und Einstellung des Fahrbetriebs konnte nun in der Praxis angewendet werden. Das Sichern von Schienenfahrzeugen gegen unbeabsichtigtes Bewegen spielt hierbei eine wichtige Rolle. Ebenso verlangt das Arbeiten unter Schienenfahrzeugen immer die Zustimmung des Triebfahrzeugführers oder des Notdienstes. Zahlreiche Schienenfahrzeuge verfügen über am Fahrzeugboden verbaute hochfrequente Sendeeinrichtungen, welche beim Aufenthalt unterhalb der Sendeeinrichtung zu gesundheitlichen Schäden führen können und entsprechend abgeschaltet werden müssen. Nachdem alle Vorbedingungen für das Arbeiten unter der Lokomotive erfüllt waren, war die Kreativität der Einsatzkräfte gefragt. Neben dem Erarbeiten einer Einsatztaktik wurden zahlreiche, verschiedene Einsatz- und Rettungsmittel für eine patientenschonende Rettung angewendet.

Eine weitere Ausbildungsstation thematisierte die Menschenrettung aus Triebfahrzeugen. Bei Lokomotiven mit Endführerständen dient der Maschinenraum eines Triebfahrzeugs dem Triebfahrzeugführer als ausgewiesener und gekennzeichneter Fluchtweg. Ist es zu einer Kollision mit einem oder mehreren Triebfahrzeugen gekommen, so können sich verletzte Triebfahrzeugführer im Maschinenraum ihres Triebfahrzeugs befinden. Räumliche Enge im Maschinenraum und Führerstand sowie der Höhenunterschied zwischen Führerraum und des Gleisbereichs, stellen Einsatzkräfte bei der Menschenrettung aus Triebfahrzeugen vor Herausforderungen. Zahlreiche unterschiedliche Rettungsansätze wurden unter Hilfenahme verschiedener Einsatzmittel realitätsgetreu abgearbeitet. Auch hier galt es eine Puppe mit rund 70 Kilogramm Gewicht aus dem Maschinenraum und später aus dem Führerstand hinaus zu retten.

Auf dem Rangierbahnhof Seelze ist ein schienengebundenes Spezialfahrzeug stationiert. Der Löschmittelwagen (oder auch Löschzug-Schiene genannt), hat hier seine Beheimatung und stellt einen wesentlichen Bestandteil des Brandschutzkonzepts vom Rangierbahnhofs Seelze dar. Mit 20.000 Litern Löschwasser, 1200 Litern Schaummittel und einer umfangreichen Ausrüstung beladen, wird dieses Schienenfahrzeug im Einsatzfall von der Ortsfeuerwehr Seelze besetzt. Um dieses Spezialfahrzeug näher kennenzulernen beziehungsweise das vorhandene Wissen zu festigen, beschäftige sich eine Station mit Fahrzeug- und Gerätekunde auf diesem Schienenfahrzeug. Besonders für die Kameradinnen und Kameraden aus der Ortsfeuerwehr Lehrte stellte dieses ungewöhnliche und besondere Fahrzeug ein zuvor gänzlich unbekanntes Novum dar.

Elektrifizierte Bahnanlagen können für Einsatzkräfte eine besondere Gefahr darstellen, wenn Oberleitungsanlagen beschädigt sind oder der Mindestabstand zur Oberleitung an Einsatzstellen unterschritten werden könnten. Gefahren aus elektrischer Spannung und Oberleitung wurden während des theoretischen Unterrichts bereits ausführlich behandelt. An einer vierten Station musste das Wissen zu den Themen Einstellung des Fahrbetriebs und Gefahren aus Oberleitungen, in dem Fall herunterhängender Oberleitung, angewendet werden.

Ein fiktives Alarmstichwort wies auf eine unklare Rauchentwicklung an einem Güterwagen in einem Gleis mit Oberleitung hin. Nicht sofort ersichtlich war für die Einsatzkräfte jedoch, dass die Rauchentwicklung am Güterwagen aus einem Stromunfall resultierte. Auf der Bühne eines Güterwagens lag eine Puppe, welche eine regungslose Person darstellte. Im oberen Bereich des Güterwagens hing ein Stahlseil herunter, was eine gerissene Oberleitung simulierte. Da sich der Notfallmanager der DB InfraGo noch auf der Anfahrt zur Einsatzstelle befand, waren die Einsatzkräfte auf sich alleine gestellt. Zuerst musste beim Erkunden der Einsatzstelle erkannt werden, dass eine Oberleitung auf dem Güterwagen liegt und somit keine sofortige Menschenrettung möglich ist. Um alle Einsatzkräfte auf die Gefahr aufmerksam zu machen, musste Gefahrenbereich kenntlich gemacht werden. Zu unter Spannung stehenden Teilen, wozu der gesamte Güterwagen zählt, musste ein Sicherheitsabstand von mindestens 10 Metern eingehalten werden. Für den Fall, dass 10 Meter Sicherheitsabstand unterschritten wurden, musste der Gefahrenbereich mit möglichst kleinen Schritten verlassen werden, um auftretende Schrittspannung im Spannungstrichter zu minimieren.

Drei Stunden intensive, praktische und realitätsnahe Ausbildung fanden bei den Kameradinnen und Kameraden großes Gefallen und sorgten für zahlreiche Lerneffekte, welche im Einsatzfall wichtige Erfahrungswerte darstellen.

Ein großes Dankeschön geht an die DB Cargo AG, Standort Seelze und DB InfraGo AG für das Ermöglichen dieser Ausbildungseinheit zum Thema Hilfeleistung im Gleisbereich der DB AG!

Weitere Informationen

  • Von: Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | as
  • Datum: 05.08.2026
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