Donnerstag, 24. September 2020

Bundesweiter Warntag: In Seelze bleiben die Sirenen still

Stadt kann sich nur teilweise beteiligen, weil die technischen Voraussetzungen fehlen / Sirenen seit den Neunzigerjahren nicht mehr in Betrieb

Beim ersten bundesdeutschen Warntag am heutigen Donnerstag, 10. September, – dem ersten seit der deutschen Wiedervereinigung –, bleibt es in Seelze um 11 Uhr still. Die Sirenen können zwar alarmieren, wenn es brennt, zur Warnung der Bevölkerung, etwa bei Bombenräumungen oder Terroranschlägen, können sie aber nicht eingesetzt werden. „Die analog gesteuerten Sirenen in Seelze können keinen entsprechenden Katastrophenalarm auslösen“, sagt Alfred Blume, langjähriger Ortsbrandmeister in Seelze sowie Technischer Einsatzleiter der Region.

Der Bund habe die ältere Anlagen, die früher für die Warnung der Zivilbevölkerung vorgesehen waren, nach dem Ende des Kalten Krieges in den Neunzigerjahren ersatzlos abgebaut, sagt Stadtarchivar Norbert Saul. Dadurch sei dieser Alarmierungsweg komplett weggefallen. Der Katastrophenalarm, der die Bevölkerung warnen soll, unterscheidet sich im Heulton von den Sirenen, die Feuerwehrleute alarmieren. Es ist der typische Heulton, der beispielsweise im Krieg einen bevorstehenden Luftangriff angekündigt hat.

Bis in die Neunzigerjahre hat es diese Sirenen auch in Seelze gegeben, gesteuert wurden sie vom Zentralen Warnamt in Rodenberg am Deister, das seit 1998 nicht mehr in Betrieb ist. Solche Ämter waren ab den Fünfzigerjahren in der BRD errichtet worden.

Warnung per Durchsage

Obwohl es in Seelze keine Sirenen mehr gibt, muss niemand Sorge haben, im Katastrophenfall nicht rechtzeitig gewarnt zu werden. „Es gibt immer die Möglichkeit, die Bevölkerung mit Durchsagen per Megafon oder mit dem Hubschrauber aus der Luft zu warnen“, sagt Blume. So war die Stadt auch im September 2014 vorgegangen, als 14 000 Menschen wegen einer Bombenentschärfung in Seelze-Süd ihre Häuser verlassen mussten.

Stadt empfiehlt Apps

Auch Durchsagen in Rundfunk und Fernsehen haben sich bewährt. Zumindest darauf müssen sich die Seelzer einstellen, wenn am Donnerstag um 11 Uhr bundesweit der Probealarm ausgelöst wird.

Zunehmend kommen auch digitale Warnsysteme wie Apps zum Einsatz. Die Stadt Seelze empfiehlt zudem, sich „Nina“, ein Programm des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, und „Katwarn“ auf dem Smartphone zu installieren. „Katwarn“ funktioniert regional. Die App kann für ganze Städte, den aktuellen Aufenthaltsort des Smartphonebesitzers oder einzelne Stadtteile aktiviert werden. Im Ernstfall sendet die Leitstelle der Berufsfeuerwehr eine Warnung an alle Handys, die „Katwarn“ installiert und den betroffenen Bereich aktiviert haben.

Das Herunterladen dieser Apps aus dem Appstore ist kostenlos. „Diese Warnapps ergänzen die Warnung der Bevölkerung durch Sirenen“, sagt Archivar Saul. Eine Auslösung der Warnsysteme „Katwarn“ und „Nina“ werde am Donnerstag zentral über die Region Hannover erfolgen.

Warntag jedes Jahr

Der bundesweite Warntag soll künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September durchgeführt werden. Darauf haben sich Bund und Länder bei der Innenministerkonferenz 2019 verständigt. Der Tag soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und auf die verfügbaren Warnmittel aufmerksam machen.

Weitere Informationen

  • Quelle: HAZ Seelze, 10.09.2020
  • Von: Sandra Remmer
Gelesen 228 mal Letzte Änderung am Freitag, 11. September 2020 10:01