Donnerstag, 19. September 2019

Neues System soll Feuerwehr entlasten

Seelzes Ortsbrandmeister Carsten Strowig (links) und Feuerwehrsprecher Norbert Bittner präsentieren den digitalen Melder. Seelzes Ortsbrandmeister Carsten Strowig (links) und Feuerwehrsprecher Norbert Bittner präsentieren den digitalen Melder. Thomas Tschörner (HAZ Seelze)

Digitale Melder alarmieren Freiwillige gezielter / Seelze fordert hauptamtlichen Gerätewart

Die gesamte Freiwillige Feuerwehr der Stadt Seelze ist ab sofort im Besitz von neuen, digitalen Funkmeldeempfängern. Mit den Geräten sollen die Einsatzkräfte gezielter alarmiert werden können: Die Neuanschaffung hat laut Seelzes Ortsbrandmeister Carsten Strowig den großen Vorteil, dass nun auch einzelne Gruppe, Spezialisten und besondere Fahrzeuge separat gerufen werden können. Damit könnte das Gros der ehrenamtlichen Feuerwehrleute entlastet werden.
Der Ortsbrandmeister sieht nun allerdings die Gefahr, dass die Belastung von Spezialisten steigt. Schon jetzt seien die vier Gerätewarte täglich fast drei Stunden in der Feuerwache. Deshalb fordert Strowig einen hauptamtlichen Gerätewart, der für die Instandhaltung des Equipments verantwortlich ist. In vielen Kommunen der Umgebung hätten die größeren Feuerwehren hauptamtliche Gerätewarte.
„Wir haben mit den neuen Meldeempfängern unsere Alarmierung komplett umgestellt“, sagt Strowig. So habe die Ortsfeuerwehr zwei Dienstgruppen. Auch wenn früher nur eine alarmiert worden war, seien 40 Mann in der Funkschleife gewesen und entsprechend angefordert worden. „Das ist bei einer harmlosen Türöffnung kaum zu verkaufen“, sagt der Ortsbrandmeister. Jeder der 86 Aktiven der Ortsfeuerwehr habe ein neues Gerät erhalten.
Nach wie vor könnten alle Seelzer Feuerwehrleute mit dem sogenannten Vollalarm angefordert werden. Sicherheitshalber sei auch noch die Sirene weiter in Betrieb. Bei weniger großen Einsätzen würde im wöchentlichen Wechsel die Dienstgruppe A oder die Dienstgruppe B gerufen. „Dann haben die einzelnen Freiwilligen auch mal eine Woche Pause“, sagt Strowig. Der Ortsbrandmeister erhofft sich davon eine gewisse Entlastung der ehrenamtlichen Helfer. Zusätzlich könnten auch spezielle Fahrzeuge wie die Drehleiter, die Chemikalienschutzausstattung oder das Messfahrzeug sowie Spezialisten angefordert werden. Dazu gibt es die Ortsbrandmeisterschleife für das Führungspersonal.
Insgesamt können in den Geräten 13 Fachdienstgruppen sowie die beiden Dienstgruppen und der Vollalarm programmiert werden. Seelzes Feuerwehrsprecher Norbert Bittner weist darauf hin, dass die Ortsfeuerwehr als Schwerpunktwehr eine deutlich umfangreichere Ausstattung habe als Stützpunktfeuerwehren und Ortsfeuerwehren mit Grundausstattung. Dies wirke sich auf die Spezialisten aus, die mehr Einsatzstunden als üblich hätten.

Nichts für Büroangestellte

So werde die Drehleiter oder auch der Messwagen nicht nur in sämtlichen Seelzer Stadtteilen eingesetzt, sondern auch von anderen Kommunen wie Garbsen angefordert, erklärte Bittner. Eine Entlastung sei nur schwer möglich: Spezialfahrzeuge wie die Drehleiter könnten nicht von allen Feuerwehrleuten bedient werden, sagt Strowig. Voraussetzung für den Einsatz auf dem Fahrzeug seien ein Drehleiter-Maschinistenlehrgang und eine interne umfangreiche Ausbildung.
Im Schnitt ist Seelzes Ortsfeuerwehr fast jeden zweiten Tag im Einsatz: Im vergangenen Jahr sei die Ortswehr auf 169 Einsätze gekommen, sagt Strowig. Eine Schlüsselrolle käme dabei den vier Gerätewarten zu, die täglich im Schnitt 11,23 Stunden für einsatzbereite Fahrzeuge und Material sorgen. „Jeder Gerätewart ist damit jeden Tag 2,8 Stunden auf der Wache“, sagt Strowig.
Das sei auf Dauer mit ehrenamtlichen Gerätewarten nicht zu schaffen, warnt der Ortsbrandmeister. Die Warte erledigen kleinere Reparaturen selbst, warten und pflegen die Fahrzeuge, machen aber auch Fahrten zur Werkstatt oder zu Überprüfungen in der feuerwehrtechnischen Zentrale. „Das sind alles Fahrten, die tagsüber stattfinden müssen.“ Das könnten nur Leute leisten, die im Schichtdienst arbeiten. Zudem bräuchten die Gerätewarte eine Qualifikation als Handwerker oder Techniker. Büroangestellte wären in der Funktion eher fehl am Platz.

Weitere Informationen

  • Quelle: HAZ Seelze, 02.02.2019
  • Von: Thomas Tschörner
Gelesen 291 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03. Februar 2019 21:33