Dienstag, 11. Mai 2021

Feuerwehr funkt jetzt digital

Der Stadtfunkwart Frank Kopplin hat in vielen Stunden Arbeit die Umstellung auf den Digitalfunk organisiert. Der Stadtfunkwart Frank Kopplin hat in vielen Stunden Arbeit die Umstellung auf den Digitalfunk organisiert. Linda Tonn (HAZ Seelze)

Einsatzkräfte aus Seelze rüsten 28 Fahrzeuge um / 110 mobile Geräte gehören ebenfalls zur neuen Ausstattung / Stadtfunkwart: „Ein Meilenstein“

Als „Meilenstein“ bezeichnet Frank Kopplin das, was seit Montag, 7.30 Uhr, in die Wachen in Seelze Einzug gehalten hat: Seit dieser Woche funken die Einsatzkräfte nicht mehr analog, sondern digital. Gerätehäuser, Boote und Fahrzeuge sind mit neuen Funkgeräten ausgestattet worden, dazu kommen 110 mobile Geräte. „Der Digitalfunk macht es möglich, dass nicht nur innerhalb eines begrenzten Radius gefunkt werden kann, sondern über ein bundes- und europaweites Netz problemlos über große Distanzen“, sagt Stadtfunkwart Kopplin.
Er hat sich in den vergangenen Jahren um die Einführung der neuen Technik in Seelze gekümmert. Mehr als 500 Stunden hat er dafür gearbeitet, denn die Geräte mussten nicht nur beschafft, eingerichtet, registriert und eingebaut werden. Alle Einsatzkräfte im Stadtgebiet haben extra Schulungen bekommen, um beim Einsatz mit der Technik vertraut zu sein.

Direkter Dialog mit der Polizei

Das Netz, in dem die Feuerwehr nun mitfunkt, wird bereits von Organisationen wie dem Bundesgrenzschutz und der Polizei genutzt. „Es ist quasi wie ein paralleles Mobilfunknetz – nur verschlüsselt“, erklärt Kopplin. Daher seien die Signale deutlich besser, man könne ohne Probleme bei einem Einsatz direkt mit der Polizei vor Ort kommunizieren und sich auch in Gruppen zusammenschalten.
Das war vorher im analogen UKW-Funk mit Geräten aus den Siebziger- und Achtzigerjahren deutlich schwieriger. „Neulich wurden wir zum Beispiel zu einer Rettung an die Leine gerufen“, sagt Kopplin. Die Feuerwehrleute standen an einem Ufer, die Beamten und Beamtinnen der Polizei am gegenüberliegenden. „Um miteinander zu kommunizieren, mussten wir immer den Weg über die jeweiligen Leitstellen gehen. Das kostet Zeit“, so der Funkwart.
Zudem hing es vom Wetter und von der Entfernung ab, wie gut und deutlich ein Funkspruch ankam. Bei Sturm oder Regen war die Kommunikation häufig gestört. Das ist mit den neuen Geräten, die einem Handy mit Tasten gleichen, deutlich anders. „Wir können uns direkt mit den Einsatzkräften der Polizei vor Ort verbinden und bei größeren Einsätzen auch mit den Helfern und Helferinnen kommunizieren, die noch auf dem Weg sind.“ Das sei eine große Verbesserung, so Kopplin.

Geräte im Fahrzeug fest verbaut

Seit 2019 kümmert er sich um das Projekt Digitalfunk bei der Seelzer Feuerwehr. Er hat die Geräte bestellt und sich darum gekümmert, dass für die Umrüstung der 28 Fahrzeuge alles bereit stand. Die Funkgeräte werden dort fest verbaut.
Gemeinsam mit Lukas Buuk von der Feuerwehr Dedensen und Stadtausbilder Frank Wollny hat er in den vergangenen Monaten 185  Kameradinnen und Kameraden geschult – jeweils in vier Stunden Theorie und vier Stunden Praxis. Waren zunächst noch Präsenzveranstaltungen möglich, musste durch der Corona-Pandemie auf Onlineschulungen umgestellt werden. „All das wurde ehrenamtlich geleistet“, so der Feuerwehr-Pressesprecher Jens Köhler. „Das ist beachtlich.“
In einem Testbetrieb haben sich die elf Ortsfeuerwehren mit der neuen Technik vertraut gemacht – nun muss im Ernstfall alles klappen. Von der analogen Technik wird sich die Feuerwehr noch nicht ganz verabschieden. In den Einsatzfahrzeugen hängt das neue Funkgerät neben dem Alten. „Das hängt damit zusammen, dass noch nicht alle Nachbarlandkreise auf die neue Technik umgestellt haben“, sagt Kopplin. Es wird immer auch noch analog gefunkt. Knapp zwei Drittel der Feuerwehren in der Region Hannover seien aber schon im digitalen Zeitalter angekommen.

20210419_Digitalfunk-1
"Ein Meilenstein für die Feuerwehr": Stadtfunkwart Frank Kopplin hat in vielen Stunden Arbeit die Umstellung auf den Digitalfunk organisiert. Quelle: Linda Tonn (HAZ Seelze)
20210419_Digitalfunk-2
Die Geräte für den analogen Funk (rechts) bleiben weiterhin im Auto verbaut. Quelle: Linda Tonn (HAZ Seelze)
20210419_Digitalfunk-3
Die Handfunkgeräte ähneln einem Handy. Quelle: Linda Tonn (HAZ Seelze)

Weitere Informationen

  • Quelle: HAZ Seelze, 22.04.2021
  • Von: Linda Tonn
Gelesen 101 mal